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Digitale Lehrszenarien

In diesem Wiki werden typische Lehrszenarien mit Digitalsierung vorgestellt.

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Lehrszenario 7: Gruppenarbeiten in Online-Vorlesungen und -Veranstaltungen

Der Einsatz von kurzen und längeren Phasen von Gruppenarbeiten hat positive Wirkungen auf den Lernerfolg und die soziale Einbindung in die Hochschule. Die Studierenden setzen sich aktiv mit ihren Fähigkeiten und ihrem Vorwissen auseinander. Sie geben sich gegenseitig Feedback und haben die Möglichkeit, niederschwellig Fragen zu stellen. Zur Einbindung der Studierenden in die Vorlesung haben Gruppenphasen den positiven Effekt, dass sie die Anonymität der Online-Lehre reduzieren können und mögliche Hemmschwellen bei der Beantwortung von Fragen im Plenum vermindern. Die Studierenden können Kontakte knüpfen und sich auch im Anschluss an Veranstaltungen austauschen.

1 Murmelgruppen für kurze Gruppenarbeitsphasen

Murmelgruppen sind Kleingruppen, die für eine kurze Zeit gemeinsam eine Fragestellung diskutieren und anschließend Ergebnisse in das Plenum einbringen. Klassischerweise bestehen diese aus zwei Studierenden, in der Regel dem:der Sitznachbar:in. Murmelgruppen sind eine sehr einfache Möglichkeit zur Einbindung und Aktivierung von Studierenden, die mit wenig (Zeit-)Aufwand in jede (Online-)Lehrveranstaltung eingebunden werden können.
Ablauf:
  1. Die Lehrperson stellt eine Ausgangsfrage in der (Online-)Veranstaltung. Diese teilt er:sie auch im Chat.
  2. Es folgt die Bildung von (virtuellen) Kleingruppen mit der entsprechenden Funktion in Webex oder Zoom. [Hier Handout o.ä. mit Anleitung Gruppen in Webex/Zoom verlinken, falls vorhanden]
  3. Die Studierenden tauschen sich zur Ausgangsfrage in ca. 5-10 Minuten aus. Die Lehrperson tritt währenddessen einzelnen Gruppen bei.
  4. Die Kleingruppen werden beendet und die Lehrperson holt ggf. exemplarische Antworten über den Chat oder durch mündliche Beiträge ein. Diese werden von der Lehrperson ggf. kommentiert und eingeordnet.
Einsatzmöglichkeiten:
  • Wiederholungen:
    Die Studierenden werden gebeten, sich gemeinsam an das letzte Thema/die letzte Sitzung zu erinnern und zu überlegen, was die zentralen Inhalte waren. Nach der Gruppenphase kann die Lehrperson ergänzend nach offenen Fragen zum letzten Thema/zur letzten Veranstaltung fragen, diese mündlich oder im Chat sammeln und diese diskutieren lassen oder beantworten.
  • Aktivierung von Vorwissen und Einstimmung auf ein neues Thema:
    Die Studierenden erhalten die Aufforderung, zu sammeln, was sie bereits zu einem Thema wissen. Die Antworten können im Chat gesammelt und von der Lehrperson kurz kommentiert werden.
  • Austausch und Beantwortung von fachlichen Fragen zu einem Thema:
    Eine kurze inhaltliche Frage wird von den Studierenden diskutiert und beantwortet. Die Antworten können im Chat gesammelt, mündlich beantwortet und von der Lehrperson kurz kommentiert werden. Hierbei kann es sinnvoll sein, häufige falsche Antworten ebenfalls einzubinden und zu diskutieren/kommentieren.
  • Kennenlernen z.B. zu Beginn einer Veranstaltung:
    Die Studierenden können hiermit Anonymität in der Online-Veranstaltung überwinden und Kontakte knüpfen. Fragen zum Austausch könnten sein, warum die Studierenden sich für diesen Studiengang entschieden haben (für Studienanfänger:innen), was sie von der Veranstaltung erwarten oder welche Ziele sie nach dem Studium haben (Master, berufliche Richtung…). Persönliche Fragen sind auch möglich, wie z.B. nach Hobbies.
Tipps für die Umsetzung:
  • In Online-Veranstaltungen bietet es sich an, die Kleingruppen größer zu machen als in Präsenzveranstaltungen, um sicherzustellen, dass sich in jeder Gruppe Studierende beteiligen. So macht es in größeren Vorlesungsgruppen Sinn, 4 bis 5 Studierende zu einer Murmelgruppe zusammenzufassen.
  • Ein klarer Arbeitsauftrag bzw. eine klar formulierte Frage sollte den Studierenden mitgegeben werden. Diese kann auch im Chat verschriftlicht werden, damit die Studierenden diese während der Gruppenphasen präsent haben.
  • Murmelgruppen lassen sich mehrfach in Veranstaltungen einbinden. Es ist aber sinnvoll, diese für wichtige Fragen/Anlässe zu nutzen und nicht nur zum Selbstzweck, um Studierende zu aktivieren. Damit wird ihre Bedeutung für die Studierenden sichergestellt.
  • Wenn die Murmelgruppen mehrfach im Semester eingebunden werden, kann aber eine erste Gruppenphase mit leichteren Fragen als „Eisbrecher“ Das kann z.B. mit einer Frage zum Vorwissen oder mit Kennenlernfragen gelingen.
  • Die Lehrperson sollte während der Gruppenphasen aktiv sein und in einzelne Murmelgruppen eintreten. Das zeigt, dass die Gruppenphasen wichtig sind und erhöht die Bereitschaft zur Beteiligung. Zudem erhalten Lehrpersonen ggf. wichtiges Feedback von den Studierenden und können auch Hemmschwellen für mögliche anschließende Wortbeiträge im Plenum abbauen. Hier ist es allerdings wichtig, den möglichen Beitritt zu den Gruppen vorher im Plenum anzukündigen.
  • Für das Kennenlernen und den Austausch der Kontaktdaten unter den Studierenden bzw. zum Kontakthalten empfiehlt es sich, weitere begleitende Angebote einzurichten: Zum Beispiel ein Forum, das ohne Beiträge Lehrperson angeboten wird und die Bildung von Lernpartnerschaften ermöglicht oder das Offenlassen der Webex-/Zoom-Räume für studentischen Austausch.

2 Kurze Gruppenphasen mit „Peer Instruction“

Eine wertvolle Weiterführung von Murmelgruppen ist die Verbindung von diesen mit Klicker-Fragen: Peer Instruction. Peer Instruction ist eine Methode zur Aktivierung von Studierenden, die Konzeptverständnis sowie wissenschaftliches Denken und Argumentieren fördert. Eric Mazur, Physikdozent aus den USA, entwickelte die Methode in den 1990er Jahren. Die Methode wird weltweit erfolgreich eingesetzt, insbesondere in großen Veranstaltungen in MINT-Studiengängen.
Ablauf:
  • Nach einem kurzen Input stellt die Lehrperson eine Single Choice- oder Multiple Choice-Frage, welche die Studierenden mit einem Audience Response System (z.B. ILIAS Live Voting oder PINGO) beantworten.
  • Wenn die Antworten zu einem bestimmten Anteil falsch sind (30-70%), stellt die Lehrperson die Antwortmöglichkeiten zur Diskussion in Kleingruppen. In der Diskussionsphase sollen die Studierenden ihre:n Diskussionspartner:in von der Korrektheit der eigenen Antwort überzeugen.
  • Danach folgt eine erneute Abstimmung im Plenum, die in der Regel dazu führt, dass sich mehr Studierende für die korrekte Antwort entscheiden.
  • Abschließend erläutert die Lehrperson die korrekte Antwort und diskutiert die falschen Antwortmöglichkeiten.
  • Das Durchlaufen der Peer Instruction-Phasen dauert ca. 10-15 Minuten je Frage.
Fragen und Antworten
Die Peer Instruction-Fragen sollten weder zu schwer noch zu leicht sein und kein reines Wissen und Fakten abfragen, sondern Konzeptverständnis. Sinnvoll ist es, Fragen zu zentralen Lernzielen der Veranstaltung einzusetzen. Die in der Abstimmung zur Auswahl gestellten Antwortmöglichkeiten sollten bekannte häufige Fehler aus Übungen und Klausuren aufgreifen. Dies ermöglicht die Diskussion und Widerlegung von gängigen Fehlverständnissen. Erfreulicherweise sind viele Sammlungen von Peer Instruction-Fragen für den Einsatz in verschiedenen Disziplinen zugänglich. Diese senken den Aufwand für Lehrende bei der Einführung von Peer Instruction und liefern Anhaltspunkte für die mögliche Entwicklung von eigenen Fragen und Antworten.
Fragenkataloge für Peer Instruction gibt es u.a. hier:
https://www.physport.org/recommendations/Entry.cfm?ID=93637 (Linksammlung zu verschiedenen Disziplinen)
http://mathquest.carroll.edu/ (Mathematik)
https://www.peerinstruction4cs.org/ (Informatik)
Vorteile und Wirkung
Peer Instruction eignet sich dafür, Fehlverständnisse von Studierenden zu erkennen und zu thematisieren. Durch die Abstimmungen und die Diskussionsphase erhalten Lehrende Feedback zu den Verständnisschwierigkeiten und Fehlverständnissen von Studierenden. Die Abstimmungen und die Diskussion mit Kommilitonen und Kommilitoninnen geben den Studierenden Feedback zu ihrem Wissensstand.
Die Lehr-/Lernforschung zur Wirksamkeit von Peer Instruction hat nachgewiesen, dass sowohl das Konzeptverständnis als auch die Problemlösefähigkeit und das Fähigkeit zum Transfer von Wissen steigen. Der Lernzuwachs ist nach dem Besuch von Lehrveranstaltungen mit Peer Instruction höher als nach klassischen Frontalvorlesungen. Dies lässt sich mit besseren Prüfungsergebnissen und höheren Bestehensquoten belegen.
Einen Einblick in seine Lehre Peer Instruction gibt Prof. Feuerriegel in einem Video aus der Digitalen Tafel-Runde:
https://www.ili.fh-aachen.de/goto_elearning_mcst_690922.html
Einen allgemeinen Einblick in die Methode gibt es in einem Video des DoLL-Teams:
https://www.ili.fh-aachen.de/goto_elearning_mcst_703765.html 
Anleiten von Gruppenarbeiten außerhalb der Veranstaltung
Gruppenarbeiten außerhalb der Veranstaltungen können auch zum Lernerfolg und der Motivation der Studierenden beitragen. Damit die Arbeit in den Gruppen auch ohne die Anwesenheit einer Lehrperson für die Studierenden erfolgreich abläuft, sind hilfreiche Tipps, welche die Studierenden an die Hand bekommen eine gute Unterstützung. Falls sich die Studierenden innerhalb der Veranstaltung nicht kennen lernen können, bzw. keine Kontakte zu den Kommiliton:innen knüpfen, ist die Erstellung einer Liste mit den Kontaktdaten aller Kommiliton:innen ebenfalls eine gute Möglichkeit die Studierenden bei der Bildung von Lerngruppen, bzw. bei der Zusammenführung von Gruppen, zu unterstützen. Im Folgenden sind wichtige Punkte für eine erfolgreiche Gruppenarbeit zusammengefasst aufgelistet, die die Studierenden für ihre Gruppenarbeit wissen sollten:
Tipps für die Umsetzung einer erfolgreichen Gruppenarbeit:
  • Zielsetzung/Arbeitsauftrag klären: Beim ersten Treffen innerhalb der Gruppe ist es wichtig, dass alle sich über das gemeinsame Ziel und die Anforderungen, welche von dem/der Dozent:in formuliert wurden austauschen, um sicher zu gehen, dass alle den Arbeitsauftrag verstanden haben.
  • Treffen schon zu Beginn terminieren: Bei längeren Gruppenarbeiten, ist es wichtig, nochmal die Termine aufzulisten und als Gruppe einen Plan zu machen, wie oft und mit welchem Ziel die Gruppe sich trifft. Die vereinbarten Termine sollte jedes Gruppenmitglied in den eigenen Kalender eintragen und auch einhalten.
  • Festlegung einer Moderation: Damit sich nicht in Diskussionen verloren wird und wertvolle Zeit verstreicht, sollte zu Beginn eine Moderation (auch in rotierender Weise) bestimmt werden, die durch die Themen/Fragen führt und immer wieder zu den festgelegten Punkten zurückführt.
  • Festlegung eine-s/-r Protokollant:in: Die Punkte und auch die Ergebnisse der Gruppendiskussionen sollten schriftlich festgehalten werden und später an alle Gruppenmitglieder versendet werden. So gehen keine wichtigen Ergebnisse verloren.
  • Gute Vorbereitung: Damit die gesamte Gruppe das Ziel erreicht (zum Beispiel eine Ergebnispräsentation), ist es wichtig, dass sich jedes einzelne Gruppenmitglied mit dem zu erarbeitenden Material vorher oder nachher allein auseinandersetzt, bzw. sich einen Überblick verschafft. Das ist die Basis einer erfolgreichen Teamarbeit.
  • Nutzung der individuellen Stärken: Bei einer größeren Aufgabe/Projektarbeit können die einzelnen Stärken der Gruppenmitglieder genutzt werden. So kann ein Mitglied vielleicht besser Texte zusammenfassen und ein anderes Mitglied besser Ergebnisse in einem Schaubild festhalten.
  • Einplanen von Feedback: Feedback ist in (Lern-) Gruppen für die Kommunikation unerlässlich. Bei mehrmaligen Treffen sollten die Studierenden regelmäßig Feedbackrunden einplanen. Das Feedback soll ehrlich, sachlich, respektvoll sein und sich nicht auf das Verhalten einer Person beziehen, sondern auf eine Aufgabe, einen Text oder eine Aussage.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit hängt in Gruppenarbeiten auch von der Zusammensetzung des Teams ab. Der Erfolg in einem Team wird nicht durch eine einzelne Person ausgemacht, sondern durch viele unterschiedliche Persönlichkeiten, die mit ihren Stärken und Schwächen Einfluss auf die Zusammenarbeit nehmen. Der sogenannte Belbin-Test hilft den Studierenden selbstreflexiv bei der Rollenanalyse und gibt Kriterien für eine mögliche Einteilung durch die Lehrperson. Ein ILIAS-Selbstlernmodul, mit dem Lehrende den Belbin-Test durchführen lassen können, finden Sie hier: https://www.ili.fh-aachen.de/goto_elearning_cat_687918.html
Vorteile und Wirkung
Neben dem Lernerfolg und der Motivation der Studierenden wird der Austausch und das Kennenlernen der Studierenden untereinander gefördert. Durch Auswertung der Studierendenbefragung und der Lehrveranstaltungsevaluation des SoSe 2020 hat sich u.a. ergeben, dass sich viele Studierende mehr Gruppenarbeiten außerhalb der Veranstaltungen wünschen. Hier haben sie die Möglichkeit ihre Kommiliton:innen kennen zu lernen. Durch das gemeinsame Arbeiten an z.B. einem Projekt können sich die Studierenden gegenseitig motivieren und unterstützen. Außerdem hat sich durch die Auswertung auch herausgestellt, dass Arbeitstreffen mit mehreren Kommiliton:innen sehr „chaotisch“ ablaufen können und alle durcheinanderreden, die Treffen strukturlos sind. Hier fehlte den Studierenden eine Unterstützung für die erfolgreiche Umsetzung, welche sie jetzt durch diese kurze Anleitung bekommen können.
Unter folgendem Link finden Sie weiterführende Hinweise für Ihre Studierenden zu Online-Gruppenarbeiten und deren Umsetzung in WebexTeams:
https://www.ili.fh-aachen.de/goto.php?target=wiki_517160_%C3%9Cbersicht
Hier finden Sie PDF-Anleitungen für Ihre Studierenden, u.a. auch zu Gruppenarbeiten in Webex, welche Sie gerne Ihren Studierenden zur Verfügung stellen können:
https://www.ili.fh-aachen.de/goto_elearning_cat_592165.html

Zuletzt geändert: 09. Apr 2021, 11:22, Kock, Winfried [Kock]


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